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Im Transit von Steffisburg zum Aralsee

 

Wir wussten von Beginn weg, dass wir für die ersten Länder unserer Reise nicht viel Zeit haben werden, denn wir wollten so viel Zeit wie möglich für den asiatischen Teil der Reise reservieren, d.h., für Usbekistan, Kirgistan und China/Tibet.  Wesentliche Fixpunkte im Zeitplan sind die Einreise nach China am 28. Juni und die Ausreise spätestens am 30. Oktober nach Nepal.

 

Aus diesem Grund haben wir die ersten Länder praktisch nur als Transitreisende erlebt. Das war sicher schade, denn auch auf dieser Strecke hätte es noch sehr viel Sehenswertes gegeben, aber das können wir später vielleicht nachholen.

 

Nachstehend also unsere Eindrücke, die in diesem Teil der Reise logischerweise eher oberflächlich sind:

 

Im Allgemeinen war die Reiserei problemlos.

 

Die Strassen waren bis inkl. Russland sehr gut, erst in Kasachstan mussten wir dann herunterschalten, denn die vielen Löcher und Unebenheiten zwingen  zu Slalomfahrten zwischen den grossen Löchern hindurch. Oft entstanden neben der Strasse Sandpisten, die besser zu befahren waren als die eigentliche Strasse. Usbekistan war dann eine angenehme Überraschung, die Strassen waren schlagartig wieder gut.

 

Die Grenzübergänge waren ebenfalls kein eigentliches Problem. Für Russland und Kasachstan war allerdings der Zeitaufwand mit jeweils ca. 3 Stunden erheblich. Es ist erstaunlich wie viele Formulare da geschrieben werden, und in wie viele Büros man gehen muss bis alles komplett ist. Zöllner und Polizei waren aber stets freundlich und sehr hilfreich. Auf die Hilfe dieser Leute waren wir auch angewiesen, denn wie sollten wir ein Formular ausfüllen, das nur in Russisch resp. Kasachstanisch vorliegt? Die Grenze zu Usbekistan schafften wir dann in Rekordzeit von 1 ¼  Stunden.

 

Strassenkontrollen gibt es seit der Ukraine regelmässig. Seien es Geschwindigkeitskontrollen (in der Regel schön verdeckt aus einem Fahrzeug heraus mit einer Messpistole) oder Dokumentenkontrollen. Die erste Geschwindigkeitskontrolle hat etwas gekostet, von da an wussten wir die Warnzeichen des entgegenkommenden Verkehrs zu deuten und die Reiserei wurde wieder billiger.

 

Die Dieselpreise stiegen nach der Schweiz an, seit der Ukraine gingen sie dann aber stetig zurück, in Usbekistan kostet der Liter noch 40 Rappen, oder auf dem Schwarzmarkt ca. 50 Rappen, dazu später mehr.

 

Leider hatten wir wenig Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung. Trotz grossen Sprachproblemen lief es aber gut. Die Leute sind freundlich und nicht aufdringlich. Seit der Ukraine reisen wir auch zusammen mit Hans + Doris Ottiger, die beide etwas russisch sprechen, das hat natürlich geholfen.

 

 

Hier ein paar Rosinen von entlang der Strassen:

 

Oesterreich

So quasi als Abschied von unserer Bergwelt fuhren wir anstatt durch den Tunnel über den Arlbergpass. Wir wurden belohnt mit herrlichem Wetter und  Schneefeldern bis zum Strassenrand. Wir genossen den Blick zu den umliegenden Berggipfeln bei einem Kaffee von der Sonnenterasse.

 

In Innsbruck gab es einen kurzen Zwischenhalt: Wir wollten noch eine Waschmaschine für die Reise kaufen. Bei Intersport wurden wir fündig, wir kauften einen 35 Liter grossen wasserdichten Kleidersack. Die Waschmethode: Man fülle die dreckigen Kleider in den Sack (maximal halbvoll), gebe Wasser (warmes, wenn vorhanden) und Waschpulver dazu, lasse etwas Luftraum und verschliesse den Sack. Dann legt man den Sack ins Auto (Am besten aufs Dach, dort schaukelt es am meisten). Nach einer Tagesreise öffnet man den Sack, spült die Wäsche und das war’s. Merke: Je schlechter die Strasse, desto sauberer kommt die Wäsche aus dem Sack!

 

Direkt an der Autobahn liegt der Stift Melk. Diese riesige Klosteranlage wurde und wird noch renoviert und ist absolut sehenswert.

 

Stift Melk

 

 

Slowakei

In Trencin machten wir halt auf dem Campingplatz auf einer Insel mitten im Fluss. Es gibt eine sehr schöne Altstadt und eine Burg, die von einem Hügel aus die Stadt überragt.

 

Bei Terchova liegt ein Schigebiet der Slowakei, das wollten wir sehen. Nicht gross, aber recht moderne Anlagen und breite Pisten. Natürlich war die Saison vorbei, die Blumen blühten überall und viele einheimische sind mit Wanderschuhen und Rucksack unterwegs. Ebenfalls in diesem Gebiet gibt’s kleine Siedlungen, die in ihrem ursprünglichen Stil erhalten werden, fast wie Ballenberg.

 

Bei Poprad fanden wir einen Campingplatz mitten im Naturschutzgebiet Podlesok. Hier soll es sogar noch Bären geben, gesehen haben wir allerdings keine. Hierher werden wir sicher später einmal zurückkommen.

 

Kurz vor der Grenze zur Ukraine haben wir Günther und Margit Utpadel mit ihrem sandfarbigem Pinzgauer getroffen, wir werden von nun an zusammen reisen.

 

                

„Ballenberg“ in der Slowakei                                                                          Günther + Margrit Utpadel haben uns eingeholt

 

 

 

Ukraine

Ein erster Höhepunkt in einer neuen Kultur war die Klosteranlage in Pochaiv. Auf einem Hügel gelegen glänzen die goldenen Kuppeln weit übers Land. Der Prunk, mit dem die orthodoxen Kirchen und die übrigen Gebäude verziert sind, ist wahnsinnig. Überall wird zudem renoviert, teilweise müssen dabei auch die orthodoxen Priester mit anpacken, wir staunten jedenfalls nicht schlecht als plötzlich ein Priester mit einer schweren Ladung auf dem Gabelstapler um die Ecke gefahren kam.

 

Kiew als moderne Stadt ist einkrasser Gegensatz zur Landschaft, die wir vorher durchfahren haben. Wir standen ausserhalb der Stadt auf einem Campingplatz und gingen per Taxi oder U-Bahn in die Stadt. Dort gab’s alles, was man so zwischendurch wieder einmal braucht, Internet, Bancomat und Einkaufsmöglichkeiten. Herausragend ist das Stadtbild mit den grossen Strassen, die vielen Grünanlagen und die gut erhaltenen Gebäude und dann natürlich die vielen orthodoxen Kirchen und Klosteranlagen. 2 Tage lang gingen wir zu Fuss durch die Stadt, und liessen die für uns neue Stadt auf uns einwirken.

 

Ebenfalls in Kiew war dann unser Reiseteam für Tibet komplett: Hans + Doris Ottiger (mit dem Berner Sennenhund Mirabai) mit dem Mercedes 816, Günther + Margrit mit dem Pinzgauer und wir. Von nun an werden wir weitgehend zusammen weiterreisen, nicht immer in einem geschlossenen Konvoi, aber immer wieder mit vereinbarten Treffpunkten.

 

                

Klosteranlage Pochaiv                                                                                     Klosteranlage Pochaiv

 

                                          

 

                

Klosteranlage Pochaiv                                                                                     Campingplatz in Kiew

 

 

                                

Schiff, Strassenbahn und Bus in Kiew                                                             St Sophie Kathedrale in Kiew

 

 

               

St Michaela Kathedrale in Kiew                                                                                    Caves Monastery in Kiew

 

 

Kosaken auf Besichtigung in Kiew

 

 

 

Russland

Wir sahen natürlich nur einen sehr kleinen Teil diese riesigen Landes, wir fuhren lediglich von Luhans’k über Wolgograd nach Astrahan’. Landschaftlich beeindrucken die riesigen Ebenen resp. die fehlenden Berge und Hügel. Landwirtschaft wird im grossen Stil mit entsprechend grossen Maschinen betrieben, lediglich auf den kleinen Familienfeldern wird von Hand für die Selbstversorgung gearbeitet. Die einzigen Hügel sind Abraumhalden von den Kohleminen, die in der Donets’k Ebene gibt. Es wird Antrazit-Kohle gefördert.

 

Ein trauriger Anblick sind die vielen grossen Industrieanlagen, die grösstenteils lehr stehen und sukzessive zerfallen. In der Nähe solcher Industrieanlagen finden sich denn auch die vielen Wohnsilos (Plattenbauten), auch diese in betrüblichem Zustand.

 

So gut die Verbindungsstrassen sind, so schlecht sind die Strassen in den Städten. Zum Beispiel Astrahan’: Uralte Strassenbahnen quitschen auf ausgeleierten Geleisen, daneben total verlöcherte Strassen wo sich der Verkehr im Schritttempo einen möglichen Weg sucht.

 

                

Typischer „Campingplatz“ in einer alten Steingrube                                  Mit der Fähre zum Kasachstan Zoll

 

 

Kasachstan

Von hier an reisen wir entlang der historischen Seidenstrasse. Zu unserer Freude begegneten wir denn auch den ersten Kamelen, die sich frei in der Steppe bewegten.

 

In Kasachstan wurden in den letzten Jahren grosse Erdöl- und Gasreserven entdeckt, die Hebung dieser Schätze ist in vollem Gange. Dazu sind grosse US-Firmen im Land, dementsprechend gibt es viele US Familien, die hier leben.

 

Für uns nicht begreifbar ist der Zustand der Strassen in diesem Land. Ölboom auf der einen Seite und die schlechtesten Strassen, die wir je angetroffen haben. Oft war auf der Strasse gar kein Durchkommen mehr, dann ging man eben auf die Sandpisten, die sich neben den Strassen so langsam ergaben. Teilweise hatte man die Wahl zwischen mehreren parallellaufenden Sandpisten. Zum grossen Glück hatten wir trockenes Wetter, sonst hätte es kein Durchkommen gegeben.

 

In Aterau waren wir zu Gast beim katholischen Priester. Wir konnten im Hof der Kirche campieren und die Infrastruktur benützen. Er ist aus Polen, spricht Deutsch und Englisch und konnte uns viel erzählen. Vor 6 Jahren kam er hierher und hat in dieser Zeit eine sehr schöne Kirche aufgebaut, mit verschiedenen zusätzlichen Unterrichtsräumen, wo Ordensschwestern diverse Kurse für Jugendliche und Erwachsene anbieten. Die Einheimischen sind natürlich mehrheitlich Moslems, aber seine katholische Gemeinde wächst, vor allem natürlich wegen dem hohen Ausländeranteil in diesen Gebieten. Zur Zeit betreut er ca. 1000 englischsprachige Personen und ca. 2000 einheimische Katholiken.

 

Landschaftlich ist der Westen Kasachstans geprägt durch die riesigen Flussdeltas von Wolga und Ural. Absolut flach, mit Erstaunen stellten wir fest, dass wir dort bis 24m unter dem Meeresspiegel waren. Erst als wir realisierten, dass der Meeresspiegel des kaspischen Meeres 28 Meter unter den Ozeanen liegt, glaubten wir unserem Höhenmesser wieder.

 

                   

Die ersten Kamele                                                                                             Sie verlieren im Moment ihr Winterfell

 

 

 

              

In der Kirche von Aterau                                                                                 Die Bilder von Steffisburg interessieren

 

 

                    

Topfeben und schnurgerade                                                                          Nicht Eis sondern Salz

 

 

                  

Schwarzmarktbenzin neben dem Friedhof                                                  Typische Strasse

 

 

Usbekistan

Kaum über der Grenze waren die Strassen wieder gut, kaum zu glauben. Uns soll’s recht sein, wir genossen die Fahrt nach Moynak, am Aralsee. Die Zuflüsse zum Aralsee wurden seit ca. 1950 immer mehr für die Bewässerung der von den Russen geförderten Baumwollfeldern benutzt, und der See bekam dementsprechend immer weniger Wasser. Einzelne Bewässerungskanäle sollen bis zu 1000 km lang nach dem heutigen Turkmenistan geführt haben. Die einst blühende Stadt Moynak mit einem Fischerhafen, einer Fischkonservenfabrik und einem Hafen für die kommerzielle Schifffahrt verlor zusehend ihre Existenzgrundlage. Heute liegt der Ort nicht mehr am See, das Seeufer ist ca. 100 km weiter nördlich, und Fische soll es auch fast keine mehr geben. Dort wo einst der Hafen war, kann man heute noch die Überreste der Schiffsflotte sehen, rostige Erinnerungen an eine bessere Zeit.

 

Die Produktivität der Baumwollfelder wurde mit einem hohen Preis erkauft. Neben den wirtschaftlichen Veränderungen hat sich auch das Klima verändert, es gibt mehr Sandstürme, der Boden versalzt.

 

                 

Das war einmal der Hafen von Moynak                                                       Auf dem Trockenen

 

 

 

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